Es gibt keine einheitliche Sprachregelung für die Begriffe Nachhilfe, Förderung und Therapie/Behandlung. Wir verstehen Folgendes darunter:

 

Was ist Nachhilfe?

In der Nachhilfe wird der aktuelle Schulstoff aufgearbeitet und vertieft. Das kann zu Hause geschehen. Nachhilfe wird oft durch Schüler höherer Klassen angeboten. Die Stundenhonorare werden frei vereinbart (Spanne beginnt bei 5€ pro 45 Minuten). Manche Schulen bieten auf Ihrer Internetseite eine Nachhilfebörse an, wo sich die Partner finden können.

 

Was ist Förderung?

In der Förderung wird neben dem aktuellen Schulstoff auch grundlegender Inhalt des Faches wiederholt. Meist wird Förderung in kleinen Lerngruppen durchgeführt. Förderung wird z.T. an den Schulen angeboten, heißt dort Förderunterricht und ist kostenlos (wie der normale Unterricht auch). Daneben existiert ein riesiger Markt an Institutionen. Die Preise für solchen Förderunterricht sind sehr unterschiedlich. Matheförderung ist meist deutlich teurer als Deutschförderung. Manche Institutionen bieten eine Leistungsprüfung (quasi eine Mini-Diagnose) kostenlos und zeitnah an. Fragen Sie nach.

 

Was ist Therapie?

In einer Lerntherapie wird zunächst der Lernstand des Kindes analysiert und dann dort angesetzt (der Lernstand des Kindes kann u.U. weit von dem der Klasse entfernt sein). Für jedes Kind wird ein individueller Lernfortschrittsplan entwickelt. Die Therapie findet in Kleinstgruppen oder als Einzeltherapie statt und wird von Legasthenie- und Dyskalkuliefachleuten durchgeführt. Sie müssen mit Kosten von 120-280€ pro Monat rechnen. Zusätzlich fallen z.T. Kosten für die Analyse des Lernstands an. Eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen, die der Begriff Therapie nahe legt, findet NICHT statt. Nur in Einzelfällen (seelische Behinderung besteht oder ist zu erwarten) übernehmen die Jugendämter auf Antrag (Antrag auf Eingliederungshilfe) die Kosten.

 

Hier finden Sie Hinweise vom Bundesverband BVL zu Förderung/Therapie bei Legasthenie bzw. Dyskalkulie.

 

Qualifikation der Anbieter

Vorsicht: „anerkannter Legasthenietherapeut“ oder ähnliche Phantasietitel sind keine geschützten Berufsbezeichnungen.

 

Von einer angemessenen Qualifikation kann man ausgehen, wenn der Therapeut eine (zum Teil) mehrjährige Aus-/Weiterbildung zu Legasthenie oder Dyskalkulie absolviert hat  (Ausbildung z.B.: Integrative Lerntherapie, Reuter Liehr) und an Weiterbildungsveranstaltungen und Supervision teilnimmt. Orientierung für die Eltern kann bei der Auswahl der "richtigen" Therapeuten sein, dass diese mit dem Jugendamt einen Leistungsvertrag abgeschlossen haben. Damit ist gewährleistet, dass grundlegende Kriterien erfüllt sind.

 

Die Annahme, dass Lehrer durch Ihre Ausbildung ausreichend ausgebildet sind, wird durch die Realität nicht bestätigt. Leider erfolgt im Bereich der universitären Ausbildung und während des Referendariats keine ausreichende Wissensvermittlung über die Legasthenie/Dyskalkulie und deren Bedingungsgefüge.

 

Wer trägt die Kosten?

Meist die Eltern

In der Regel tragen Sie als Eltern die gesamten Kosten für Nachhilfe, Förderung (nur Förderunterricht in der Schule ist kostenlos) oder Therapie. Die Diagnose beim Kinder- und Jugendpsychiater oder -psychologen ist meist eine Leistung der Krankenkassen, erkundigen Sie sich vorher. Wird die Diagnose in einer Fördereinrichtung oder bei einem Therapeuten gestellt, so übernehmen die Krankenkassen in der Regel die dabei häufig - nicht immer - anfallenden Kosten NICHT. Aber vielleicht ist Ihre Krankenkasse spendabel, fragen Sie dort nach.

 

Jugendamt (Antrag auf Eingliederungshilfe)

Die Jugendämter übernehmen die Therapiekosten nur bei Kindern mit Klassischer Diagnose und auf Antrag der Eltern auf Eingliederungshilfe. Dem Antrag wird aber nur stattgegeben, wenn ein Gutachter (z.B. ein Kinder- und Jugendpsychologe) bestätigt, dass das Kind bereits seelisch behindert ist oder von einer seelischen Behinderung bedroht ist. Dies wird in den seltensten Fällen diagnostiziert!

 

Lernförderung für Schülerinnen und Schüler aus dem Bildungs- und Teilhabepaket in Niedersachsen
"Kinder brauchen manchmal Unterstützung, um die Lernziele in der Schule zu erreichen. Wenn das Klassenziel gefährdet ist und die Schule nicht weiterhelfen kann, wird sich in vielen Fällen die Frage gezielter Nachhilfe stellen. Dies ist allerdings in der Regel mit Kosten verbunden, die sich viele Familien nicht leisten können. Kein Kind soll aber von notwendiger Lernförderung ausgeschlossen bleiben. Daher können die erforderlichen Kosten einer geeigneten Lernförderung übernommen werden, um die Schulziele zu erreichen.

Wenn Sie Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld beziehen, ist Ihr Jobcenter auch für die Bildungs- und Teilhabeleistungen Ihr Ansprechpartner. Wenn Sie Kinderzuschlag, Wohngeld oder Sozialhilfe beziehen, wenden Sie sich bitte an die Verwaltung Ihrer Stadt oder Ihres Landkreises." Zitiert von der Internetseite des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW

 

Krankenkassen

Die Diagnostik wird - sofern sie bei Kinder- und Jugendpsycholgen oder -psychiatern erfolgt - in der Regel von den Krankenkassen übernommen. Kosten einer Diagnose oder Lernstandsanalyse in Fördereinrichtungen oder bei Therapeuten werden in der Regel von den Krankenkassen NICHT getragen. Bitte erkundigen Sie sich vorher bei Ihrer Krankenkasse. Eine Übernahme der Förderungs- oder Therapiekosten durch die Krankenkassen findet nicht statt.