Rechnen

Rechnen ist nur ein Teil der Mathematik

Schon in der Grundschule heißt das Fach Mathematik, ein anspruchsvoller Begriff, wo doch fast nur der Teilbereich Rechnen dran ist. Mathematik umfasst aber noch viele weitere Teilbereiche: Kombinatorik, Geometrie, Algebra, Mengenlehre, Analysis, etc. Wer Schwierigkeiten beim Rechnen hat, der kann trotzdem gut in Mathe sein, erst recht nachdem die Taschenrechner (meist ab Klasse 7 oder 8) benutzt werden dürfen.

 

Sprechen Sie Ihrem Kind mit Rechenschwierigkeiten Mut zu, dass im Mathematikunterricht noch anderes als das ungeliebte Rechnen drankommen wird.
 

Dyskalkulie

Die meisten Schwierigkeiten beim Rechnen beruhen darauf, dass die Kinder den Zahlen keine Menge zuordnen können. Drei Stückchen Schokolade sind beim Rechnen genauso 3 wie drei Hochhäuser und ein blauer, ein roter und ein grüner Knopf bleiben 3, auch wenn man die Reihenfolge oder die Abstände zwischen den Knöpfen verändert. Die Kinder operieren mit den Zahlen so ähnlich, wie wir mit dem ABC. Beispiel: Was ist c plus 4? Das geht noch ganz gut: c,d,e,f. Ups, da ist doch genau die Verschiebung um 1 passiert, die so typisch für das "Abzählen" ist. (Richtig wäre d,e,f,g.)  Aber was ist M minus 6? Ohne eine Mengenvorstellung zu den Zahlen wird das schon schwierig.

 

Auf der Internetseite des Bundesverbandes BVL e.V. erhalten Sie sehr gute Informationen zum Thema Dyskalkulie mit den Unterpunkten

 

Bedenken Sie, dass jede Dyskalkulie eine andere Ausprägung hat. Nicht jedes Kind zeigt alle Schwierigkeiten (zum Glück), aber neben den genannten Schwierigkeiten gibt es noch viele weitere. Wir Menschen sind eben Individuen, auch bei unseren Schwächen. Auch wenn Ihr Kind nur einen Aufgabentypen nicht lösen kann - und vermutlich keine Dyskalkulie vorliegt - braucht Ihr Kind Hilfe, nicht Spott.

 

Wie häufig ist Dyskalkulie?

Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. geht davon aus, dass in Deutschland 4 % der Schüler von einer Dyskalkulie betroffen sind. Werden die Schwierigkeiten früh erkannt, können die Probleme meist kompensiert werden; je später eine Therapie ansetzt, desto geringer sind in der Regel die Effekte.


Aber zunächst lief es doch ganz gut

Kinder mit etwas schwächer ausgeprägter Symptomatik und hoher Intelligenz werden Strategien entwickeln, zunächst mit mehr Zeit doch noch zum richtigen Ergebnis zu kommen. Aber mit fortschreitendem Unterricht, mit zunehmendem Anspruch der Aufgaben werden die Schwierigkeiten des Kindes schließlich offenbar.

 

Verlieren Sie keine Zeit

In Niedersachsen werden Noten in der Regel erst ab Klasse 3 vergeben. Die Schwierigkeiten beim Rechnen treten aber meist schon in Klasse 1 oder 2 auf; die anderen Fächer liegen Ihrem Kind besser. Warten Sie nicht auf die ersten schlechten Noten. Lassen Sie sich nicht von Lehreraussagen wie: "Ihr Kind ist pfiffig, der Knoten wird schon noch platzen" beruhigen. Wenn Ihnen ein großer Unterschied zwischen den Leistungen im Rechnen und den anderen Fächern bei Ihrem Kind auffällt, melden Sie Ihr Kind zur Diagnose an (bis zum Termin vergehen oft 2-7 Monate). Sollte sich das Problem in der Zeit auflösen, dann können Sie den Termin ja wieder absagen. Denken Sie daran: Frühzeitige Hilfe lässt die Schere zwischen dem Wissensstand Ihres Kindes und dem Schulstoff seiner Klasse nicht so groß werden.

 

Hier finden Sie eine Literaturliste zum Thema Rechnen.